Schandmaul – Von Spitzbuben und anderen Halunken:



       8,5 / 10 Punkten

Disc Facts:

Label: BMG / Vielklang

Spieldauer: 46:42

Tracklist:
-Herren der Winde
-Der junge Sigfried
-Die letzte Tröte
-Eine Waldmär
-Powerdudler
-Die goldene Kette
-Gebt Acht!
-Der letzte Tanz
-Frühlingstanz
-Der Talisman
-Der Tropfen
-Henkersmahlzeit

WWW: Schandmaul.com


Subway to Sally, In Extremo, Corvus Corax, Tanzwut, Inchtabokatables, Letzte Instanz, Blackmore´s Night, Haggard, Merlons, Helium Vola, LostBelief, Daddylonglegs. Lang, lang ist sie mittlerweile geworden, die Liste der Mittelalter-Bands und längst nicht alle können uneingeschränkt begeistern. Mit dem jüngst erschienenen Longplayer „Von Spitzbuben und anderen Halunken“ meldet sich jetzt auch das Olchinger Sextett „Schandmaul“ einmal mehr zu Wort.

Konnten die Schandmäuler um Produzent und Songwriter Hubsi Widmann bereits mit ihrem Debütalbum „Wahre Helden“ einen Achtungserfolg landen und dazu im Vorbeigehen den deutschen Folkpreis 2000 einheimsen, schicken Sie sich mit Ihrem neusten Album an voll durchzustarten. Mit Ekkehard Strauhs an den Reglern und dem Vielklang-Label im Rücken (welche zusammen schon In Extremo und Subway to Sally auf die richtige Umlaufbahn geschossen haben) bieten sich dazu sogar die besten Vorraussetzungen.

Während In Ex und Subway sich jüngst entschieden dem Mittelalter Stück für Stück zu entsagen, erwartet den Hörer bei Schandmaul die volle Dröhnung. Wie schon beim Vorgängeralbum  bekommt man auf „Spitzbuben und Halunken“ eine herrlich frische Mixtur aus kindlich verspieltem Folk- und bodenständigem Mittelalterrock serviert, die nicht selten direkt ins Tanzbein wandert und zum zwanghaften Mitflöten und -singen animiert.

Stücke wie „Herren der Winde“, „Gebt Acht“, „Henkersmahlzeit“, „Der letzte Tanz“ und das hymnenhafte „Waldmär“ gehen als derbe Ohrwürmer durch und weisen absolutes Hitpotential auf. Darüber hinaus sind es aber vor allem die beiden  Instrumentalstücke, die der spitzbübischen Suppe erst den richtigen Pepp verleihen: Frühlingstanz“ vermittelt ohne Umschweife das lebensfrohe Gefühl einer mittelalterlichen Dorftanzveranstaltung und geht ohne Umwege durch Mark und Bein. Spätestens mit dem  „Powerdudler“ brechen dann alle Dämme. Hier zeigt Birgit Muggenthaler am Dudelsack den Jungs von Corvus Corax und Konsorten einmal deutlich wo der Hammer hängt und legt ein furioses Solo auf Parkett. Wer bei diesem Stück ruhig sitzen kann ist schon tot!

Ebenfalls sehr erwähnenswert:„Die letzte Tröte“. Hier kombinieren die Schandmäuler einmal mittelalterliche Klänge mit Ska-Einflüssen und schaffen damit eine ungewöhnliche aber sehr gelungene Eigenkreation, die dem Album noch einmal ein Sahnehäubchen aufsetzt. Abgerundet wir das spitzbübische Treiben von weiteren Songs, wie  „Der Talisman“, „Der Tropfen“ und  „Der Junge Sigfried“ die angenehm mit durch laufen, jedoch nicht ganz das Hitpotenzial der oben genannten Stücke erreichen. Und auch wenn „Die goldene Kette“ durch den penetranten Einsatz einer Blockflöte ziemlich an den Nerven zerrt, einen wirklichen Totalausfall will ich auf der gesamten CD nicht ausgemacht haben.

Insgesamt kann man sagen, dass Schandmaul auf ihrem zweiten Longplayer dort weiter gemacht haben wo sie mit „Wahre Helden“ aufgehört haben. Das Grundkonzept hat sich nicht wesentlich verändert. Irisch geprägtes Flötenspiel wird ergänzt durch Geigen-, Dudelsack- und etwas härter gewordenes Gitarrenspiel, das besonders den rockigeren Songs zu gute kommt. Zwar könnte die Produktion eine Nummer fetter sein aber in anbetracht dessen dass es sich gerade um das zweite Album einer aufstrebenden Band handelt geht der Sound vollauf in Ordnung. Was jedoch zu denken gibt ist die Tatsache, dass auf beiden Alben die Instrumentalstückeeindeutig hervorstechen. Sänger Thomas Lindner müht sich zwar redlich und liefert einen ordentlichen Job am Mikrofon ab aber so hundertprozentig passt er meiner Meinung nach nicht zur Musik.

Die musikalische Umsetzung hingegen ist um einiges spektakulärer: Schandmaul schaffen es Ihren Songs eine Leichtigkeit und Verspieltheit zuteil werden zu lassen, die bei den mittlerweile groß gewordenen Vorreitern wie Subway to Sally und In Extremo inzwischen verloren gegangen ist. Geradeaus und ohne Umschweife kommen Sie zum Punkt und begeistern dazu mit sehr abwechslungsreichen Songs.  Stücke wie „Die Letzte Tröte“ verleihen  darüber hinaus dem angestaubten Genre des Mittelalterrocks neue Impulse.

Meiner Meinung nach kommen Freunde mittelalterlicher Klänge keinesfalls um  „Schandmaul“ herum und sollten ohne Umschweife zu dieser CD greifen. Wer es lieber etwas metallastiger mag sollte vorher einmal reinhören, da zwar gefällig gerockt aber keinesfalls gebolzt wird. Somit dürfte „Von Spitzbuben...“ auch für weniger hartgesottene Gemüter interessant sein.

Unterm Strich ein unterhaltsames zweites Album der Olchinger , das schon erstaunlich wenig Schwächen  offenbart und über weite Strecken einfach nur Spaß macht! Dafür ein kräftiges „Weiter so!“ und....

8,5 / 10 Punkten

derRitter



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