PZYCHO BITCH - EDEN:



       8,5 / 10 Punkten
Disc Facts:

Label: SPV

Spieldauer: 54:04

Tracklist:
-Wake up
-Come Back II
-Out of my Mind
-Range of Vision
-Eden
-Big Lover
-Bitch
-Master of Myself
-Be Someone
-Little Sister
-Hear the Scream
-Door to December

WWW: Kaanbalik.com


„Eben noch auf der Street-Parade, jetzt schon auf unserer  Showbühne“ Dieses leicht abgewandelte Zitat eines bekannten TV-Holländers trifft wohl den illusteren Werdegang der Electro-Newcomer von  „Pzycho Bitch“ vermutlich am Besten. Ursprünglich als Rave-Buden-Projekt unter dem Namen „Psychozone“ gestartet, leisteten sich die beiden Technik-Tüftler  Frank Klatt und Stefan Böhm unter anderem sogar einen Auftritt als Live-Act auf der Hannoveraner Street Parade (für unwissende, Hannovers halb so großes Gegenstück zur Berliner Love-Parade). Vor etwas mehr als zwei Jahren entschlossen sich die beiden jedoch zu einer musikalischen Neuorientierung und gründeten mit Sängerin Sina Hübner „Pzycho Bitch“, dessen Debütalbum „Eden“ im November erschienen ist.

Normaler Weise pflege ich bei Newcomern an dieser Stelle immer die legendäre Phrase „vom Frischfleisch zum Weichklopfen“ zu dreschen. Hier wäre sie jedoch vollkommen deplaziert, denn da ich leichtsinnigerweise beim Probehören meinen Subwoofer ordentlich auf Kirmes gepegelt hatte, drehten „Psycho Bitch“ den Spieß binnen kürzester Zeit um. Als sie nach einer knappen Stunde mit mir fertig waren, stand dann plötzlich ich als Weichgeklopfter da und rund um den Tieftöner hatten sich Risse im Fussboden verewigt.

Doch Spass bei Seite:
Mit der Wucht einer 3-Kubikmeter-Abrissbirne ballern die insgesamt 12 Stücke auf „Eden“ unverhohlen drauflos und rüdester Knüppel-Aus-Dem-Sack-Electro mit deutlichem Industrialeinschlag ist Programm. Zugegeben hört man dem Material an einigen Stellen den technoiden Ursprung der Band an, doch Sinas räudige Sprechgesangseinlagen und ein hoher Noise-Faktor manövrieren die CD schnell aus den Gefilden herkömmlicher Zappelbuden heraus.

Bewusst verzichten die Herren Klatt und Böhm auf ausgeprägte Synthi-Lines und halten Abstand von jeder allzu ausgeprägten Melodie. Stattdessen gelingt ihnen in den meisten Fällen das Kunststück den Songs durch die pure Symbiose aus donnernden Rhythmen und verzerrten Vocals ein Gesicht zu verleihen.

Auf die Länge eines Albums verteilt, funktioniert das musikalische Konzept des Trios ebenfalls äußerst achtbar. Obgleich Frau Hübners gesangliche Darbietungen auf Dauer etwas gleichförmig wirken, schaffen es die beiden Musiker hinter ihr durch geschickte Tempo- und Stilwechsel den Hörer auch über längere Zeit bei der Stange zu halten. In der Tat ist dieses Album sehr erstaunlich: Einerseits wirken die Songs durch die selbst auferlegten musikalischen Begrenzungen wie aus einem Guss, andererseits klingen die Stücke zu keiner Zeit profillos oder gar langweilig. Mal donnern klassische Elektrobeats (Wake Up, Out of my Mind) los , mal rammen sich scheppernde Thunderdome-Stampfer ins Gehör (Big Lover). Mal geht die Post ab (Come Back II, Big Lover, Be Someone), mal läufts etwas gemächlicher (Little Sister, Door to December).

Eines haben jedoch alle Songs gemeinsam und da kommen erneut die Wurzeln von Pzycho Bitch zu Tage: Sie sind allesamt gnadenlose Tanzflächenfeger und uneingeschränkt partytauglich ohne in billige Rave-Base-Gefilde abzudriften. Stattdessen klingt die Mixtur aus Schwerstelekrik und lasziven Vocals durchaus ernst gemeint und was noch wichtiger ist, frisch und eigenständig.

Unterm Strich steht mit „EDEN“ zweifellos ein gelungenes Debüt zu Buche, mit dem sich Pzycho Bitch jenseits abgeranzter Britney-Spears-Dorfdiscos problemlos einen Namen machen dürften. Mir jedenfalls haben sie, von einigen Schönheitsfehlern mal abgesehen, zünftig den Arsch versohlt und daher zücke ich gerne....

8,5 / 10 Punten

der Ritter



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