KMFDM - Attak:



       9,5 / 10 Punkten
Disc Facts:

Label: Metropolis Records

Spieldauer: 50:56

Tracklist:
-Attak/Reload
-Skurk
-Dirty
-Urban Monkey Warfare
-Save me
-Yohoho
-Superhero
-Sturm & Drang
-Preach/Pervert
-Risen
-Sleep

WWW: KMFDM.com


Adios! Schluss, Aus, Ende ! So lautete im Januar 1999 die Devise der einstigen Industrial-Electro-Pioniere KMFDM, als sie nach 15 Jahren bekannt gaben fortan getrennte Wege gehen zu wollen. Das abschließende Album „Adios“ trug KMFDM dann auch derart glaubwürdig zu Grabe, dass wohl niemand ernsthaft mit einer Wiederbelebung des Projektes gerechnet hätte. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Während sich En Esch und Günther Schulz mit ihren  Soloprojekt „Slick Idiot“ selbstständig machten und alle Brücken hinter sich abbrachen,  wollte sich KMFDM Urvater Sascha Konietzko nicht so recht mit dem Ende abfinden. Zunächst gründete er mit MDFMK und SCHWEIN zwei Nachfolgeprojekte, die allerdings weitestgehend unbeachtet blieben und nicht an frühere Erfolge anknüpfen konnten und im letzten Jahr gelang es ihm einige der ehemaligen KMFDM-Mitglieder (Skold, Watts und Rieflin) für den Wiedereinstieg zu gewinnen. En und Günther lehnten indes kategorisch ab und so stiegen mit Lucia Cifarelli und Donata Alberti zwei andere Gesichter mit ins Boot, um im Herbst vergangenen Jahres das 11. KMFDM Album „Attak“ aufzunehmen.

Doch was kam dabei heraus? Ist der Patient wieder bei vollem Bewusstsein oder nur eine leblose Hülse?

Zunächst einmal fällt auf, dass der Titel des Albums und das gewohnt martialische „BRUTE“-Artwork sehr programmatische Aufbruchsstimmung vermitteln und zu verstehen geben, dass KMFDM es noch mal so richtig wissen wollen. Unter die Haube wirkt allerdings das Ganze erst mal ernüchternd, denn das neue Material kommt anfangs sperrig wie eine Schrankwand daher. Die Songs brauchen schon eine ganze Weile, bis sie ihr wahres Gesicht zeigen. Doch dann haben sie einiges zu bieten:

So lässt sich feststellen, dass der Sound von KMFDM im Vergleich zu vergangenen Zeiten einen ganzen Schritt moderner geworden ist. Sichtlich beeinflusst durch die Arbeiten an MDFMK fanden doch eine ganze Reihe von Effekten und akustischer Spielereien nebst Breakbeat-versetztem Schlagwerk ihren Weg in die neuen Songs. Somit kommt der elektronische Teil der Songs auch um einiges Druckvoller daher als in der Vergangenheit.

Wer nun aber befürchtet, die Industrial-Zeiten im Hause KMFDM wären vorbei, der sieht sich getäuscht. Im Gegenteil: Nahezu ebenbürtig rattern die Gitarren in altbewährtem Stil drauflos und fügen sich nahtlos wie lange nicht mehr in ein sehr buntes Gesamtbild ein, dessen Bandbreite vom brachialen Reißer bis zum relaxten Kiffertrack reicht und eine ganze Menge zu bieten hat, ohne bewährte Trademarks über Bord zu schmeißen.

Man merkt dem Material deutlich an, dass sich in den 3 Jahren etliche unverwirklichte Ideen angesammelt haben, die nun mit vollem Eifer umgesetzt wurden. „Attak“ strahlt anders als das lustlose „Adios“ und das ebenfalls in Teilen welke „Symbols“ wieder Spielfreude und Biss aus. Alles voll auf Angriff eben. Jetzt oder nie!

In diesem Sinne ist „Attak“ auch um einiges deftiger ausgefallen. Anders als Rammstein und Konsorten biedern sich KMFDM nicht dem aktuellen Weichspülertrend an und ballern uns mal eben mit Abstand das härteste Album ihrer Bandgeschichte um die Ohren.

Schnell wird deutlich, dass KMFDM dieses mal keine Gefangenen machen. Nach der recht elektronischen Aufwärmübung „Attak/Reload“ bricht mit „Skurk“ und Dirty auch schon das Inferno los: Bratende Gitarren und extreme Gesangseinlagen von Skold und Watts rocken heftig. Auch der in meinen Augen stärkste Song „Urban Monkey Warfare“ donnert kraftvoll ins Gebein und erinnert stellenweise mit seinem Gitarrenspiel an „Virus“. Das anschließende „Save me“ läßt es dann wieder etwas ruhiger angehen, bevor sich die Platte mit „Yo Ho Ho“ relaxt in eine musikalische Zigarettenpause verdünnisiert.

Nach dem Mittag soll man sich ja bekanntlich  nicht überfordern, daher folgt mit „Superhero“ eine eher belanglose Technonummer, die als Vortrommler für eine furiose „Sturm & Drang“-Phase dient. Was KMFDM hier 15 Minuten lang abbrennen, reißt einem schlichtweg die Beine weg. Skold, Watts und Konietzko geben bei „Sturm & Drang“ „Preach /Pervert“ und Risen“ stimmlich ihr letztes Hemd zu wuchtigem  Drumscheit-Stakkato und reißenden Gitarren. Erinnerungen an Klassiker, wie „A Drug against War“, „Brute“oder „Liebeslied“ werden wach. Den Abschluss des Albums bildet mit „Sleep“ eine Art Drum´N´Bass-Remake des 97er Songs „Waste“ und mit hohem Noise-Faktor wird auch hier noch mal richtig Gas gegeben.

Für mich steht nach diesem Album fest, dass KMFDM es mit ihrer Rückkehr in der Tat ernst meinen. Es steckt hörbar eine Menge Herzblut darin, sodass es mir ehrlich gesagt schwer fällt Esch und Schulz nach zu trauern. „Attak“ trifft im Gegensatz zu den letzten Alben nach einigen Startschwierigkeiten voll ins Schwarze und bringt trotz frickeligen Sounds endlich  wieder das Kunststück fertig elektronische Elemente mit hartem Industrialsound homogen zu verknüpfen, ohne den typischen KMFDM-Sound über Bord zu schmeißen. Darüber hinaus leisten Skold, Watts und  Konietzko, unterstützt von den beiden Mädels, engagierte, variable Gesangsarbeit. En Esch oder die eher flauen Gastauftritte des Skinny Puppy Frontmannes „Ogre“ ziehen hier klar den Kürzeren.

Am Ende steht eben eine extrem selbstbewusste CD, die mit „Sturm und Drang“, „Risen“, „Urban Monkey Warfare“ oder „Preach/Pervert“ reihenweise Hämmer am Start hat und abgesehen von albernen Songs á la „Superhero“ kaum Schwächen zeigt. In meinen Augen ist „Attak“ ein absoluter Pflichtkauf für alle KMFDM Fans und jene, denen Rammstein mittlerweile zu dämlich geworden sind.

Beide Daumen hoch für ein gelungenes Comeback!

9,5 / 10 Punkten

der Ritter



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