The Inchtabokatables - Mitten im Krieg:



         5 / 10 Punkten
Disc Facts:

Label: StrangeWays

Spieldauer: 51:39

Tracklist:
-Unsatisfied
-Healing Hands
-Rain
-Birthing of a Day
-Escape
-Endless Rail
-Come with me
-Closed Eyes
-Wenn du schläfst
-Come with me (Video)

WWW: Inchtabokatables.com


Knapp 3 Jahre Sendepause hatten die Inchtabokatables hinter sich bis sie mit einem neuen Album wieder aus der Versenkung auftauchten. „Mitten im Krieg“ betitelten Deutschlands ungewöhnlichste Folkrocker ihr jüngstes Werk, dass nach längeren Querelen mit der alten Plattenfirma schlussendlich im März 2001 bei Strangeways das Licht der Welt erblickte.

Viel Zeit habe man sich bei der Entstehung des Silberlings gelassen, so konnte man Sänger Robert Beckmann alias BB Breuler  in den einschlägigen Magazinen verlautbaren hören. Man habe sich anderthalb Jahre in einem dunklen Raum verschanzt und am Ende ist eine Platte dabei herausgekommen, die nach Bandaussage die ehrlichste Inchtabokatables-Scheibe aller Zeiten darstellt.

Liebe Inchies, wenn das eure ehrlichste Platte ist, habt ihr uns dann 10 Jahre lang nur verarscht? Zumindest gewinnt man sehr schnell den Eindruck, wenn man sich „Mitten im Krieg“ zuwendet, das zu früheren Werken wie Ultra, Quiet und Too Loud  einen krassen Gegensatz darstellt: Das Freche, Rebellische und oftmals boshaft Ironische was die Band in früheren Tagen auszeichnete ging völlig verloren. Der Gute-Laune-Faktor und die folkigen Elemente traten extrem in den Hintergrund und mussten den Weg für bleischwere, oftmals hemmungslos überfrachtete Arrangements räumen.

Bereits beim ersten Stück „Unsatisfied“ wird schnell klar: Irgend etwas stimmt hier nicht! Zwar waren die Inchtabokatables schon immer dafür bekannt Ihren Instrumenten durch gezielte Misshandlung die urigsten Klänge zu entlocken, doch was hier auf den Hörer einprasselt ist schlichtweg das Grauen: Gezische, Geknarze, Gerumpel und Gegurgel versetzt mit abgedrehten Breakbeats würgen sich durch eine 4-minütige musikalische Presswurst, die erst nach dem dritten oder vierten Durchlauf eindeutig als Song identifizierbar ist.

Auch im weiteren Verlauf des Albums verlieren sich die Berliner immer wieder in selbstverliebten Effektorgien. Hier ein Schnarz, dort ein Schwurbel und obendrauf noch 20 Verzerreffekte versetzt mit überdimensionierten Ein- und Überleitungssequenzen zu Beginn und Ende der Songs.

Letztere tragen dann auch stark dazu bei, dass „Mitten im Krieg“  nicht aus der Hüfte kommt. So dauert es geschlagene 2 Minuten, bis „Escape“ auf den Punkt kommt oder „Healing Hands“ das zeitliche segnet obwohl der eigentliche Song schon längst durch ist. Nun kann man sicher argumentieren, diese Elemente stünden in Einklang mit der ruhigen Grundstimmung, generiert durch einen hohen Anteil getragener und balladesker Songs, doch in meinen Augen wird das Album dadurch unnötig ausgebremst.

 Neben dem wurstig dahergepressten „Unsatisfied“ enthält „Mitten im Krieg“ mit „Come with me“ und „Rain“ noch zwei rockigere Stücke, die allerdings keinerlei Erinnerung zur folkigen Vergangenheit der Band wach werden lassen. Viel mehr schießen sich die Berliner auf die Nachvertonung der Red Hot Chili Peppers und sonstiger Alternative-Kapellen, reißen mich jedoch nicht wirklich vom Hocker.

Anders sieht es mit dem gemäßigten Healing Hands der Instrumentalnummer „Endless Rail“ und dem ruhigen „Bithing of a Day“ aus, die abseits ellenlanger Klanghülsen der Marke, „mal gucken was noch so geht“, einen roten Faden erkennen lassen und in bester Massive Attack-Manier eine sehr schöne, teils verträumte Atmosphäre erzeugen ohne den Hörer einzuschläfern. „Escape“, „Closed Eyes“ und „Wenn du schläfst“ sind wiederum Titel die einzeln sicher besser funktionieren. Sie verleihen dem Album den letzten Rest Schwerfälligkeit, die ihm so schlecht zu Gesicht steht.

Letztendlich bleibt Festzustellen, dass „Mitten im Krieg“ wohl die logische Konsequenz der Vorraussetzungen geworden ist unter denen es entstand. Glaubt man der Geschichte mit den anderthalb Jahren im dunklen Keller, so verwundert die verklärte und oft leblos wirkende Ader des Longplayers nicht. Input ist hier gleich Output. Durch die lange Entstehungszeit haben sich die Inchies auch eindeutig in Detailarbeit verheddert, wobei der Blick fürs Grobe verloren ging und das Ziel musikalische Tiefe aufzubauen durch die Effektflut jäh erstickt wurde. Sicherlich muss man den Berlinern zugute halten, dass sie ein paar wirklich abgefahrene Sounds aus ihren Streichinstrumenten kitzelten, doch am Ende behindert das die Songs eher, als dass sie ihnen nutzen. „Mitten im Krieg“ ist das klassische Beispiel einer Überproduktion die zu Tode gefrickelt wurde. Einzelne Glanzpunkte lassen sich zwar ausmachen aber am Ende bleibt ein schaler Beigeschmack. Hits vom Schlage eines „Tomatenfischs“ oder „Mountain Mans“ sucht man gar vergebens. 

5 / 10 Punkten

der Ritter



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