Folge 4: Subway to Sally / The Bloodflowerz – 14.04.02 Kulturhaus, Salzwedel:

 

 

Tja Liebe Freunde, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ursprünglich hatte ich ja nicht vor euch schon wieder mit einem Konzertbericht von deutschlands tourfreudigster Rockband zu beglücken. Doch außergewöhnliche Ereignisse erfordern außergewöhnliche Maßnahmen und so komme ich nicht umhin noch einmal eine kleine Nachlese vom Zaun zu brechen.

Diese beginnt dann auch bereits auf der Hinfahrt:

An Bord meines Rittimobils herrschte ausgelassene Klassenfahrtsstimmung und neben bekannten Liedern von Räubern und Rosenkleidern hatten wir, das heißt Schlachtross Maik und ich, unter anderem unseren Spaß dabei, ein kleines Örtchen namens Siedenlangenbeck mit einem selbstverfassten Liedchen zu würdigen, was sich im laufe des Abends zum Running Gag entwickelte. Dazu muss man wissen, dass Siedenlangenbeck irgendwo am Rande unserer Fahrtroute lag und ähnlich einer Westernstadt aus einer einzigen Straße, mehreren Häusern und einem eigenen Stromgenerator bestand, welcher meiner Einschätzung nach im Winter jeden dritten Tag ausfällt.
Wie auch immer! Es war auf jeden Fall lustig und wir schafften es dank einer vorzüglichen Wegbeschreibung unseres ortskundigen Mitstreiters „Funki“ pünktlich am Salzwedeler Kulturhaus ein zu treffen.

Nach dem Routinemäßigen Eingangsprozedere (wo übrigens im Gegensatz zu Hildesheim gleich 3 stämmige Security-Herren mit eigenwilligen Alf-Ator-Gedächtnis-Frisuren die Tür verschanzten) und einem Gang aufs stille Örtchen (Mann hab ich einen Druck! *Strulllllll), war es Zeit um sich im Saal ein lauschiges Plätzchen am Bühnenrand zu suchen. Im Vergleich zur „Augsburger Puppenkiste“ Vier Linden war das hier auch kein Problem, denn einerseits fanden sich die „feierwütigen“ Fans doch recht schleppend ein und zum anderen bot das Kulturhaus ein reichhaltiges Platzangebot für schätzungsweise 1500 Leute. So kam es dann auch dazu , dass die Bloodflowerz um Punkt 20 Uhr die geräumige Bühne enterten und vor einer recht erbärmlichen Kulisse ihre ersten Songs zum besten geben mußten. Dem entsprechend dürften Maik und ich, die wir die Show der Schwaben schon kannten und Party machten wie die letzten Anklatscher vom Dienst ausgesehen haben, was aber von der Band durch zustimmendes Nicken und mehrere Aufforderung an die steifen Rumsteher entsprechend gewürdigt wurde. Schließlich waren wir zu dem Zeitpunkt neben der Band die einzigen, die wirklich abgingen.

Verglichen mit dem Konzert in Hildesheim vor zwei Wochen, merkte man den Bloodflowerz an, dass sie auf der Tour einiges an Selbstvertrauen getankt hatten: Sängerin Kirsten Zahn behielt heute die peinlichen Werbebotschaften für sich und wirkte schon zu Beginn des Konzertes  wesentlich souveräner als noch vor zwei Wochen. Außerdem blieben die Band heute vom anfänglichen Soundbrei verschont, wodurch die musikalische Leistung deutlich besser zum Tragen kam. Daher empfand ich es als schade, dass der an sich überzeugende Vortrag zunächst recht verhalten gewürdigt wurde. Getreu dem Prinzip „Steter Tropfen höhlt den Stein“ steckten die Bloodflowerz aber nicht auf.  Statt dessen wie Kirsten immer wieder darauf hin, wieso man eigentlich auf ein Konzert geht. Solange bis sich etwas bewegte. Außerdem Prophezeite sie anläßlich des heutigen Abschlussabends einige unvorhergesehene Zwischenfälle und zeigte sich gespannt, welcher Schabernack sie wohl treffen könnte.

Die Antwort ließ alsdann auch nicht lange auf sich warten: Bereits zwei Songs später war an musizieren nicht mehr zu denken, denn die Subway-Backliner Mel und Uwe hüpften zusammen mit Monitor-Mixer Toshi auf die Bühne, wuselten mit lauten Krakehl umher, warfen CDs, Aufkleber und Flyer unters Volk und begannen unter Toshis Leitung mit einer kleinen Bloodflowerz-Unterwäsche-Auktion. Unter anderem kamen ein Slip und ein getragener BH der Sängerin für 30 bzw. 50 Euro unter den Hammer, bevor der Sally-Eric persönlich die Bühne betrat und den Laden mit einem fröhlichen Bloodflowerz-Buchstabierwettbewerb (Gebt mir Blaaaaah! Gebt mir ein Deeeeehh!...) in Schwung brachte. Als wieder halbwegs Ruhe eingekehrt war, spielten die Bloodflowerz ihr Konzert beschwingt zu Ende und verabschiedeten sich mit einer kleinen Mutprobe: Denn nachdem sich Ever-Eve auf der letzten Tour mit der Imitation des Subway-Schreis kräftig verhoben hatten, versuchten die Bloodflowerz ein anderes Heiligtum anzuwenden: „Julia und die Räuber“. Symptomatisch für die erfolgreiche Supporttour hatten sie ihr Publikum hierbei im Griff und so trällerten knapp 200 Kehlen „Bluuut Bluuuut Räuber saufen Blut!“

Nach einer kurzen Umbaupause, in der schon mal die ersten Schweißtropfen mit einer Runde kühlem Nass abgelöscht wurden und sich der immer noch viel zu große Saal zumindest halbwegs füllte (ich schätze mal so 800 Leute waren es wohl),  konnte der  Hauptgang serviert werden: Das Intro donnerte los, Subway to  Sally stiegen einzeln auf die Bühne und „Sag dem Teufel 2“ eröffnete das umfangreiche aber mit Hildesheim identische Set der Potsdamer. Wer jetzt aber Langeweile oder Routine befürchtet irrt. Angesichts des letzten Tourabends ließ auch beim Auftritt der Platzhirsche das Chaos nicht lange auf sich warten. 

Während sich ein Großteil der Leute ganze 3 Stücke Zeit ließ um zu merken, dass die Show bereits angefangen hatte (und kurioser Weise dafür von Eric nicht mal einen verbalen Arschtritt kassierte), folgte bei Henkersbraut bereits das erste Attentat: Im Rücken der Band wurde ein Banner herunter gelassen, auf dem in großen Lettern der Schriftzug „Alle hinsetzen!“ prangte. Die gerade erwachte Meute dachte allerdings nicht im Traum daran und so verpuffte die erste Attacke des Abends leider wirkungslos im Sande. Doch der nächste Versuch ließ nicht lange auf sich warten. Bei „Kleid aus Rosen“ erlaubten sich die Backliner den nächsten  Scherz und schmissen dutzendweise Rosen von hinten auf die Bühne. Sichtlich erheitert schafften es die Sallys aber trotz des Bombardements den Song halbwegs unfallfrei weiter zu spielen, wodurch Eric, der am Bühnenrand gerade in den Nahkampf übergehen wollte, zunächst keinen Verdacht schöpfte und nichts von der Aktion mitbekam. Entsprechend verdutzt guckte er dann, als ihm aus heiterem Himmel eine Rose vor dem Gesicht entlang sauste und eine Zweite auf seine Schulter fiel. Kurz erschrocken rang er sich dann ob dieser heimtückischen Attacke ein Grinsen der Marke„IHR-HABT-ECHT-NE-MEISE“ ab und verteilte zusammen mit Simon und Bodenski die wild umher liegenden Rosen an das Publikum, welches in der Zwischenzeit so langsam Fahrt aufnahm.

„Das Opfer“ und  „Sabbat“ inklusive Pyroeinlage wurden dann auch ausgelassen abgefeiert bevor Sanctus schon zur Halbzeitpause bimmelte. Eine ganze Weile verlief alles nach Plan, bis Eric plötzlich bei Veitstanz seine Ansage vergaß. Sechs verwirrte Gesichter später erkannte er seinen „faux pas“ und holte diese natürlich nach. Doch das Kind lag schon im Brunnen: Kaum hatte Eric seinen Dudelsack angesetzt, hüpften schon die Bloodflowerz auf die Bühne, postierten sich hinter den Sallys und wedelten wie eine Horde wildgewordener Cheerleader mit Handtüchern umher.

Nachdem sich die allgemeine Erheiterung gelegt hatte, war es Zeit für das Finale Grande. Und es war auch gut so, denn im Vergleich zum energiegeladenen Auftritt in Hildesheim, machte sich bei den Sallys nun so langsam der Tour-Lag bemerkbar. Nach und nach (und das soll um Himmels Willen kein Vorwurf sein) gingen der Band ein wenig die Lichter aus. Speziell Eric hatte in der ersten Konzerthälfte wohl ein wenig überpaced und so musste er hin und wieder den vergangenen zwei ein halb Wochen Tribut zollen, indem ihm kurzzeitig die Stimme wegblieb. Dies tat der Stimmung aber keinen Abbruch, denn der Abend hatte sich längst zum Selbstläufer entwickelt. Entsprechend wild ging es dann auch bei „Ohne Liebe“ und „Julia und die Räuber“ zur Sache, bevor mit Horo der Zugabenteil begann.

Hier nahm sich Bodenski dann eine kleine Auszeit um kurz auf das Geruchsverhalten täglich getragener Bühnenoutfits zu sprechen zu kommen. Dabei stellte er klar, dass sogar der Einsatz geruchsbindender Mittel, wie etwa Febréze mitunter dazu führen kann, dass damit behandelte Klamotten am Ende nicht nur nach Schweiß sondern nach Schweiß und Febréze müffeln. Untermauert wurde diese Theorie dann von Eric, der es sich nicht nehmen ließ seinen Rock unmittelbar vor Maiks Nase zu halten, der wiederum seltsam bleich anlief und mir sogleich signalisierte, dass der Fetzen wohl bestialisch gestunken haben muss. Entsprechend hämisch schallte dann auch das Gelächter von der Bühne und es dauerte einen kleinen Moment bis Bodenski, Eric und Simon in der Lage waren Horo vorzutragen.

Diese Zeit war für Ingo hingegen Gold Wert, denn der Subway-Gitarrist hatte offenbar mit einem Defekt an seinem Dreyfuss zu kämpfen und fehlte deswegen bei den ersten Takten von Böses Erwachen, was sich reichlich seltsam anhörte. Danach  folgten noch „Grabrede“ und „Carrickfergus“ sowie die Zweite Zugabe, die das krönende Highlight der Tour hervor brachte:

Als wenn die Akustikversionen von Kleid aus Rosen und Arche an sich nicht schon spektakulär genug wären, begann das Ganze mit einer Gämmel-Einlage par excelence. Drummer David bekam ein etwa 50 cm hohes Spielzeug-Schlagwerk auf die Bühne gestellt, auf das er sich sofort mit naivem Geprügel stürzte. Begleitet von Ingo an der Plastikgitarre machten die Beiden erst mal richtig Stimmung, bis das Schlagzeug nach  zirka 60 Sekunden in seine Bestandteile zerfiel.

Damit hatte es sich aber noch lange nicht mit den Überraschungen. Das dickste Ding sollte noch folgen:
Gerade begannen Ingo und Eric die Akustik-Version von Kleid aus Rosen, als Kirsten von den Bloodflowerz auf die Bühne schlich und die Rolle des „guten Mädchens“ in einer Rotlicht-Remix-Version spielte. Dabei fiel sie Eric um den Hals, blickte ihm tiiieeeeeef in die Augen, schlängelte sich an ihm herunter und wandt sich ziemlich lasziv zu seinen Füßen. Im Laufe des Stückes kamen sich Kirsten und Eric dann derart überzeugend näher, dass man förmlich die Funken fliegen sah. Speziell die verruchten Blicke, welche sich die beiden permanent zu warfen, wirkten  äußerst „ehrlich“. Am  Ende fielen sich die beiden mit einem Kuss in die Arme und tosender Beifall brandete auf. Dann täuschte Kirsten vor zu gehen, nur dass sie offenbar nicht im Traum daran dachte einfach zu verschwinden. Stattdessen drehte sie sich auf dem Absatz herum, und verpasste Eric einen weiteren dicken Schmatzer, mit dem der nun gar nicht gerechnet hatte.  Für einen Moment der Sprachlosigkeit hielt er inne (und das ist nun wirklich selten), bis Bodenski der gröhlenden Masse mit einem rüden „Nun muss sich zeigen wer nur die letzten beiden Alben auf MP3 hat“-Spruch  Arche als letzten Song des Abends ankündigte. Danach verließen die Akteure sichtlich gerupft die Bühne und beendeten ihre Jubiläumstour 2002.

Gleichermaßen endete ein Konzertabend , der für mich und meine Mitstreiter in erster Linie im Zeichen des Spaßes stand. Die vielen kleinen Gags und Spielereien sorgten jederzeit für ein gepflegtes Lächeln und nach einem schwachen Start kam im Kulturhaus zu Salzwedel eine wirklich gute Stimmung auf. Die Bloodflowerz haben erneut gezeigt, dass sie kein Fallobst sind und die kleinen Schwächeanfälle bei Subway in der zweiten Showhälfte seien ihnen angesichts ihres umfangreichen Tourplans ausdrücklichst verziehen. Mit dem Gefühl heute Abend etwas besonderes gesehen zu haben verlassen wir das Kulturhaus (als die Security dreimal bittet) und machen uns auf den langen, beschwerlichen Heimweg durch die verregnete Nacht.

Achso,.........wenn der Strom nicht ausgefallen ist, dann steht Siedenlangenbeck noch heute.

P.S.:
Im Namen der zahlreichen Fans, die auf dieser Tournee und in den 9 Jahren zuvor mit euch, durch euch und für euch gefeiert haben möchte ich mich einmal für die vielen schönen Stunden bedanken, die ihr uns beschert habt. Auf 10 weitere, erfolgreiche Jahre Subway to Sally.

Lasst euch nicht verbiegen,

euer Ritti

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