Folge 3: Subway to Sally / The Bloodflowerz – 01.04.02 Vier Linden, Hildesheim:

 

“Bluuuut Bluuuut Räuber saufen Blut, Raub und Mord und Überfall sind gut…..”Gerade mal ein knappes Vierteljahr ist es her, dass ich diese, jedem Subway-Fan wohlbekannten Worte zum letzten mal Live vernehmen durfte. Doch war ich damals noch bei eisiger Kälte und deftigem Schneetreiben mit meinem Ritti-Mobil gen Braunschweig geeiert, so machte ich mich dieses mal bei bestem Osterwetter auf den Weg ins Vier Linden zu Hildesheim, um einmal mehr dem Live-Spektakel Subway to Sally bei zu wohnen dass anlässlich des 10-jährigen Bandjubiläums der Potsdamer auf dem Programm stand.

In freudiger Erwartung der Dinge, die da kommen mochten und mit der Gewissheit, dass schon eine ganze Menge passieren müsste, um mir diesen Konzertabend zu verleiden, traf ich gegen 19.15 Uhr am Einlass ein, wo sich bereits die zahlreich angereisten Feierwütigen stapelten. Bevor ich mich jedoch dem routinemäßigen Eingangs-Prozedere hingeben konnte, verriet mir ein kurzer Blick hinüber zum Equipment-Anhänger, dass der Subway-Fanclub „Sallys Jünger“ heute ebenfalls anwesend war.

Drinnen angekommen, galt es zunächst Tourmanager Tom zu begrüßen, der mit einem verdutzten Gesichtsausdruck ob er mich irgendwoher kannte. Dann fand er jedoch zu gewohnter Souveränität zurück und stempelte mir das Einlass-Brandzeichen auf die Pfote.
Nachdem sich der Saal bereits achtbar gefüllt hatte zog ich es vor, mich zügig in Richtung Bühne zu verkrümeln, wo ich mir ein „NOCH“ lauschiges Plätzchen an der rechten Bande sicherte.

Kurz nach 20 Uhr erloschen dann die Lichter und „The Bloodflowerz“ betraten die Bühne. Im Gepäck hatten die 5 Newcomer ihr Debüt-Album „Diabolic Angel“ (Vö.: 02.04.2002), welches sie in einer 40-minütigen Show den weißgott wählerischen Subway-Fans schmackhaft machen wollten. So manch hoffnungsvolle Band hatte sich immerhin hier in der Vergangenheit einen bösen Denkzettel abgeholt. Dementsprechend gespannt war ich, wie sich die Bloodflowerz schlagen würden.

Der Beginn verlief zunächst vorhersehbar: Anfangsnervosität, zwei drei ungeschickte Bemerkungen aus der Kategorie Werbetrommel und ein völlig missratener Sound brachten die Band schnell in Misskredit, worauf sich ein paar Deppen prompt zu Buhrufen hinreißen ließen. Doch anstatt die Flinte ins Korn zu werfen, konterte Frontfrau Kirsten (die mich optisch ziemlich an Marilyn Manson erinnerte) selbstbewusst mit einem „Huuuh, Buhh, Könnt ihr eigentlich noch was anderes?“. Sicher keine ganz ungefährliche Aktion, doch sie fruchtete: einem reinigenden Gewitter gleich war dieses der Wendepunkt der Show. Schlagartig wurde die Band sicherer, der Soundmann bekam das Vier Linden besser in den Griff und der Pöbel taute langsam auf. Stück für Stück schafften es die 5 der Menge Herr zu werden und sie mit ihrem eingängigen, kraftvollen Gothic-Metal für sich zu gewinnen. Getreu dem Motto hart aber herzlich traten die „Bloodflowerz“ Arsch und lieferten musikalisch und gesanglich eine saubere Vorstellung ab. Alsdann begannen sich ersten Köpfe warm zu schädeln und bei den letzten Songs „Lovesick“ und „Diabolic Angel“ ging der Laden schon recht zünftig ab.

Positiv angetan von der Darbietung der Blutblümchen wartete ich nun auf die eigentlichen Stars des Abends. Inzwischen war das Vier Linden proppevoll und es hätte eigentlich jeden Moment losgehen müssen. Aufgrund der viel zu kleinen Bühne, die mit ihrer altmodischen Holzvertäfelung entfernt an die Augsburger Puppenkiste erinnerte, zogen sich die Umbauarbeiten allerdings ein wenig hin.

Zehn Minuten nach Neun war es aber dann so weit: Das Intro verkündete den herannahenden Sturm, Drummer David kraxelte hinter sein, Schlagwerk und der Rest der Band baute sich nach und nach auf. Was dann folgte war purer Taumel: Sänger Eric sprang mit einem „Hallo Freunde“ auf die Bühne, das Licht erhellte sich und binnen Sekundenbruchteilen war der komplette Saal auf 180. 500 Kehlen entfachten ein infernalisches Begrüssungsgebrüll und gaben zu „Sag dem Teufel 2“ sogleich den lautesten Fanchor der Welt. Die Bude kochte und auch bei mir brachen schlagartig alle Dämme. Reduziert auf unweigerlichen Frohsinn mutierte ich zusammen mit den meisten anderen zur ferngesteuerten Partydrohne. Stillstehen wurde zur Unmöglichkeit, Mitsingen zum inneren Zwang. (Gut dass hier nicht „Deine Lakaien“ spielten, sonst wäre ich wohl unweigerlich nach 5 Minuten rausgeschmissen worden).
Ein bombastischer , extrem schweißtreibender Abend nahm seinen Lauf, an dem sich Eric zur Feier des Tages  einmal in den Kopf gesetzt hatte, den „erzieherischen Charakter“ eines Subway-Konzertes in den Mittelpunkt zu rücken. Ständig war er versucht dem „unorganisierten Haufen“, wie er uns nannte ein wenig Disziplin zu vermitteln. „Macht mir einfach alles nach und zwar das ganze Konzert lang...“ sprachs und verwandelte das Vier Linden nebst Ritti in eine gigantische Hüpfburg.

Songs wie „Tag der Rache“, „Henkersbraut“, „Mephisto“, „Die Schlacht“ und  der Gassenhauer des letzten Albums „Kleid aus Rosen“ heizten dermaßen ein, dass schon nach 40 Minuten die Luft mächtig dünn wurde und sich Leiermann Bodi zu einem kleinen Späßchen mit einem Handtuch hinreißen ließ indem er dem verdutzt dreinschauenden Eric mit einem verruchten Blick seinen Schweiß von der Stirn und zentraleren Körpersektionen abtupfte, was Simon wiederum von der Seite mit einem verschmitzen „Gehet hin und findet die Mitte eures Körpers“ kommentierte.

Das erste Indiz dafür, dass es sich heute um ein Jubiläumskonzert handelte gab es dann beim Stück „Das Opfer“: Bodi und Simon traktierten hier seit Längerem mal wieder die am Bühnenrand stehenden Stierköpfe mit stromführenden Elektroden. Dieser Effekt war während der Herzblut-Tour aus dem Programm gefallen. Mit Sabbat folgte gleich das nächste Highlight auf dem Fuße: Frau Schmitt durfte Ausnahmsweise einen kurzen Moment zum Mikro greifen um einige Textzeilen zum besten geben. Danach wurde es österlich besinnlich im Vier Linden: „Sanctus“ markierte die obligatorische Halbzeit und verschaffte uns gepeinigten Seelen eine kleine, längst überfällige Verschnaufpause.

Wenig erholt ging es mit einer Reise in die Vergangenheit weiter: „Kruzifix“ und „Vagabund“ wurden sehr zur Freude der älteren Fans aus der Mottenkiste gewühlt, bevor im letzten Konzertdrittel alle Zeichen auf Feuer standen: Osterfeuer mit der „Hexe“ (Vorsicht Decke), künstliches Feuer bei „Herrin des Feuers“ und ein feuriges Finale zu dem die Sallys gerade ansetzen wollten, als urplötzlich der komplette Saal „Julia und die Räuber“ anstimmte, jenes Stück mit dem sich die Potsdamer seinerzeit ein Denkmal setzten. „Eigentlich wollten wir das sowieso gleich spielen aber wenn ihr uns das abnehmt, dann können wir es ja lassen.“, schallte es zurück von der Bühne. Nach kurzem Protest der Menge, beschwichtigte Bodi dann: „Ok, wir spielen es aber erst müssen wir euch noch über die Gefährdungslage von Jungfrauen in Wäldern aufklären!“ und dann gab es „Ohne Liebe“, bis das Unvermeidliche seinen Lauf nahm.

„Bluuut Bluuuut Räuber saufen Blut....“ schallte es noch Minutenlang nach dem Abgang der Band durch den Saal, bis Bodi mit einer flapsigen Bemerkung der Marke „Wir wollten mal testen wie lang Ihr das durchhaltet (und es war schon übelst lange)“ den selbst für Subway-Verhältnisse üppigen  Zugabenteil eröffnete. Insgesamt 8 Stücke standen noch auf dem Programm und es ging weiter lustig zu:

Bei „Horo“ liefen die „Sally-Chöre“ unter Leitung des Potsdamer Dreigestirns Bodi, Eric und Simon einmal mehr zur Topform auf, bei „Grabrede“ durften sie gleich wieder kläglich den Einsatz verpassen, was Eric, dem das am Vortag passiert war, gebührend zu würdigen wusste und mit „Arche“ wurde ein Uraltes Stück aus „MCMXCV-Zeiten“ in einer grandiosen Akustikversion dargeboten. Außerdem durften der Stagediving-Einsatz von Fish-Airlines und Simons Marotten, wie „die berühmte Fluppe dabei“ nicht fehlen.

Nach Traum vom Tod und knapp 140 Minuten Spielzeit verabschiedeten sich dann Band und Fans überschwänglich von einander und ein kräftemordendes aber wunderschönes Jubiläumskonzert im Vier Linden fand sein Ende.

Fazit des Abends von meiner Seite: bis auf Ingos Maria-Gitarren-Solo alles drin, geile Stimmung, gut gelaunte Sallys, gelungene Überraschungen im Set, die Vorband trat mächtig Arsch und ich bin total im Selbigen.......Tschüss und gute Nacht,

euer Ritti

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