Erben der Schöpfung - Twilight:



       6,5 / 10 Punkten
Disc Facts:

Label: M.O.S.

Spieldauer: 51:12

Tracklist:
-Elis
-Sleep and Death
-By my Side
-Eine Rose f. den Abschied
-Niemand kennt den Tod
-My Star
-Ade
-
-Doch sie wartet vergebens

WWW: Erben.li


Eben noch im Tonstudio, jetzt schon in meinem CD-Player: Das Liechtensteiner Sextett „Erben der Schöpfung“ erblickte mit Ihrem Debüt-Album „Twilight“ vor kurzem das Licht der Welt. Das Projekt als völligen Newcomer zu bezeichnen träfe jedoch nicht ganz den Kern. So gründete Weltenbrand Denker und Lenker Oliver Falk 1999 die Formation und holte sich mit Alex Krull von Atrocity einen alten Haudegen als Produzenten ins Boot.

Dieser drückte „Twilight“ dann auch gleich mal ganz dick seinen Stempel auf aber dazu später mehr. Getragen wird der Erben-Sound durch den Gesang von  Sabine Dünser, die sich mit ihrer Stimmlage irgendwo zwischen Liv Kristine (Theatre of Tragedy) und Sonja Kraushofer (L´ame Immortelle) einsortiert.

Doch nun mal zur CD selber: Was machen die „Erben der Schöpfung“ aus Ihrem Kapital?

Eröffnet wird der schwarzbunte Liederreigen mit der Vorabsingle „Elis“. Dem Ohr des Hörers ,in diesem Fall meinem, bietet  sich sogleich ein netter, melodischer Gothic-Electro-Metal der mit ungewöhnlich bratenden Gitarren und einigen treibenden  Beats extrem tanzbudentauglich daherstampft. Eine echte Single eben.  Auffällig dabei ist , dass die Gitarren frappierendst an Atrocity erinnern......koooomisch!

Weiter geht die musikalische Reise mit „Sleep and Death“. Wie schon beim ersten Stück gibt es wieder eine sehr eingängige Melodie fette Gitarren und stampfende Beats zu hören, nur dieses mal einen Tick schneller und für meinen Geschmack durch die arg hohen Tonlagen von Frau Dünser wesentlich anstrengender.

Das nun folgende „By my Side“ lässt deutlich erahnen wohin die Reise führt. Denn das Konzept der ersten beiden Stücke wird gnadenlos weiterverfolgt. Die einzige Abwechslung liegt hier im gedrosselten Tempo.

Bereits vorausahnend wie das nächste Stück klingen könnte widme ich mich der Nummer 4, „Eine Rose für den Abschied“ und ich werde nicht enttäuscht. Ganze 1,5 Sekunden dauert es bis mich wieder das altbekannte Geschrammel der ersten 3 Songs umfängt. Wenn es sich hier nicht eindeutig um den stärksten Song des Albums handeln würde wäre er vermutlich bereits der Skip-Taste zum Opfer gefallen. „Niemand kennt den Tod“  fällt dann trotz eingeflochtener Düstermannvocals genauso wenig aus dem Rahmen wie „My Star“.

Als sich mir so langsam die Frage aufdrängt, wie oft ich denn noch die bisher gehörten dreieinhalb Riffs zu Ohren  bekomme, erbittet sich „Ade“ Zugang zu meinem Gehör. Nach kurzem zögern entschließe ich mich dazu nun auch noch den Rest über mich ergehen zu lassen. Wirkliche Überraschungen werden mir dabei nicht mehr geboten. Die Erben greifen mit Ausnahme vom rein elektronischen „Ade“ auf das bekannte Strickmuster zurück *gäähn.

Dementsprechend kann sich mein Gesamteindruck der CD einer gewissen „Zwielichtigkeit“ nicht erwehren. Die Songs für sich genommen bieten tanzbaren Metal der keinem so richtig weh tut und in den Clubs wird sicher heftigst dazu abgefeiert werden. Bei dauerhaftem Konsum stellt sich aber leider ein recht hoher Nerv-Faktor ein, bedingt durch den teilweise anstrengenden Sirenengesang von Frau Dünser und die ständigen Selbstkopien.

Umso trauriger ist dieser Umstand da „Erben der Schöpfung“ nicht wirklich eigenständig klingen. Vielmehr hat der Produzent Krull mit dem Schreiberling Falk eine Art weibliches Atrocity geschaffen. Weiterhin liegen mir mit zunehmender Dauer des Albums die Keyboardklänge schwer im Magen. Insbesondere die Streichereinlagen klingen immer wieder nach hundertfach gehörtem grausam-kitschigem Plastikkeyboardquatsch.

Wären da nicht die beiden Perlen der Schöpfung „Elis“ und „Eine Rose für den Abschied“, der knackige wenn auch oft kopierte Sound, die ein oder andere gelungene Hookline und die Tatsache, dass es sich um den ersten Longplayer dieser Formation handelt, würde „Twilight“ sicher auf Nimmerwiedersehen im Niemandsland der zigtausend belanglosen Goth-Metal-Produktionen versauern.

„Twilight“ ist sicher keine CD ohne Potential aber insbesondere in punkto Abwechslung noch stark ausbaubedürftig. Neun mal das gleiche Lied zu spielen kann man sich vielleicht als Popmusiker erlauben, abseits des Mainstreams ist das jedoch absolut hinderlich.

6,5 / 10 Punkten

der Ritter



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