Dkay.com - Deeper into the Heart of Dysfunction:



         7 / 10 Punkten
Disc Facts:

Label: Zomba Rec.

Spieldauer: 78:06

Tracklist:
-The Beauty´s in the Beast
-Your own Prison
-2.B.F.
-Friendly Fire
-All-Time Low
-Film Noir
-Born Exposed
-The old primal Force
-Deeper into...
-Minefield of Emotions
-Sanctuary
-Carcrash Music for now...
-Ghosrider
-B.C. 2002
-Übermensch
-What´s next?
-Film Noir (ISC Remix)
-Your own Prison (Remix)

WWW: Dkay.com


2002 scheint sich ja so langsam zum Jahr Electro-Metal Urgesteine zu entwickeln. Erst feierten KMFDM vor kurzem mit ATTAK grandios ihre Wiederauferstehung und nun meldet sich der ehemalige Krupps-Chef Jürgen Engler mit dem zweiten Album seines Soloprojektes Dkay.com zu Wort. „Deeper into the Heart of Dysfunction“ heißt das gute Stück und bringt knapp zwei Jahre nach dem Debüt „Decaydenz“ wieder einige Umstellungen mit sich. So entschloss sich Herr Engler beispielsweise dazu die alte Besetzung, bestehend aus Julian Beeston (Nitzer Ebb), Dirk Krause (Armageddon Dildos), Chris van Helsing (Boa) und Adam Grossmann kurzerhand aufzulösen und zusammen mit Technikguru Specta das neue Material im Alleingang zu produzieren. Dabei ist ein Album entstanden, dass man als wahres Kontrastprogramm zum seichten Einerlei der „Decaydenz“-Scheibe bezeichnen könnte. Doch nun einmal hübsch der Reihe nach:

“Deeper into the Heart of Dysfunction“ ist ein Konzeptalbum, dass sich unter dem Einfluss der Terroranschläge vom 11. September kritisch auf die Suche nach der „Wurzel allen Übels“ begibt. Anhand von konkreten Beispielen sozialen, politischen und religiösen Terrors (11. September, 3. Reich, Gaza-Konflikt) erörtert Engler auf diesem Album die Motive, die zu terroristischen Akten  führen und prangert sie an. Darüber hinaus bezieht der Wahl Texaner mit Song wie „Übermensch“, „Friendly Fire“ oder „Old primal Force“ Stellung gegenüber Rechtsradikalismus und religiösem Fanatismus.

Angesichts einer solch ernsten Thematik verwundert es kaum, dass der Sound der Platte nicht den auf „Decaydenz“ eingeschlagenen Weg weiter verfolgt, sondern einer 180° Wendung gleich den Geist vergangener Krupps-Tage beschwört. Wie zu Zeiten einer „Oddyssey of the Mind“ gibt es aggressiven Industrial-Electro-Metal zu hören der mit satten Riffs und markanten Elektroniksounds ordentlich einheizt.

Bei einem direkten Vergleich mit dem Debüt „Decaydenz“ fällt auf, dass das Gespann Engler/Specta einige Schwachstellen des Erstlings ausmerzen konnte:
So sind zum Beispiel die monotonen Stumpfbeats á la Neverland verschwunden und nervige Trallala-Einlagen im Stile eines „Hell is Heaven“ oder „Split Infinity“ bleiben genau so aus, wie billige Krupps-Remakes der Marke „The Final Show“. Dafür kommt inmitten der wieder erhärteten Arrangements Jürgens Stimme wesentlich besser zur Entfaltung, was vielen Songs eine gewisse Authorität verleiht.

Wer nun aber denkt, “Deeper into…” sei das langersehnte Krupps-Hammer-Album geworden, den muss ich enttäuschen: Hauptkritikpunkt den ich hier anbringen möchte ist der fehlende Pioniergeist vergangener Tage. Bei aller Wiederbelebung der kruppsschen Tugenden vergessen Engler/Specta es der Musik neue Akzente zu verleihen. So servieren sie mit Vorliebe hundertfach bewährtes Allerwelts-Riffing und altbackene Elektrosounds, die anno 2002 niemanden mehr so recht vom Hocker reißen. Frische Ansätze á la „BC 2002“ welches  mit seinem Country-Einschlag tüchtig rockt muss man leider mit der Lupe suchen.

Somit lässt sich leider nicht verhindern, dass das Album mit seinen 78 Minuten Spielzeit keinen richtigen Spannungsbogen aufbaut. Hier wäre weniger wirklich mehr gewesen zumal mit „Friendly Ffire“, „Born exposed“, „Old primal Force“, „Carcrash Music for now People” „BC 2002“ und “Übermensch” einige schlagkräftige Songs bereit stehen, die inmitten diverser Gähnnummern (wie dem Titelsong) nicht richt zur Entfaltung kommen.

Entsprechend nüchtern fällt das Fazit aus: So nett der Rückfall in alte Zeiten auch gemeint sein mag, mit „Deeper into...“ tut sich Jürgen Engler keinen echten Gefallen. Das Album merzt zwar die meisten Schwächen seines Vorgängers aus, bleibt aber durch fehlende Innovationen zu blass um sich vom branchenüblichen Einerlei abzuheben. Wer auf soliden Electro-Metal abfährt ist aufgrund der zahlreichen Hits gut beraten, wahren Krupps-Fans wird dieses Album aber mit Sicherheit zu dünn sein. Getreu dem Motto „Wahre Arbeit Wahrer Lohn“ muss es hier: „Solide Arbeit Solide Wertung“ heißen und dafür gibt’s nicht mehr als...

7 / 10 Punkten

derRitter



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